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"NACHGEMACHT" |
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LILITH UND IHRE SCHWESTERN |
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Die Vorgeschichte: |
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AM ANFANG ABER WAR LILITH. |
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Aus runden, gedrehten Gefäßformen habe ich Lilith gemacht, von innen her begriffen, geformt, ausgewölbt, gedehnt, mit Erde bestrichen und gebrannt.
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Von der aus dem Gefäß entwickelten Lilith wurde eine Silikonform erstellt, die es mir ermöglichte, beliebig viele identische weiterhin hohle Körper herzustellen. |
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Kein Akt des Gebärens, sondern eine Art gleichgeschlechtlicher Vermehrung; aus der Urmutter Lilith entstanden ihre Schwestern, aus Stereotypen wurden wieder Individuen, indem ich erneut Hand anlegte und der nächsten Generation zum Ausdruck verhalf. Die ursprünglich identischen Körper veränderten sich in Haltung, Ausdruck, Form und Oberfläche. |
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Die Form der Lilith habe ich an meinem 51. Geburtstag geschlossen, um die Transformation in die nächste Ebene zu ermöglichen. Aus dieser Form werden keine neuen Schwestern mehr entstehen. Die letzte Figur aus der ersten Form habe ich in Grundhaltung und Gestik weitgehend der Urmutter angeglichen, sie ist der fast perfekte Klon. Da aber in allen Nachkommen der Lilith jeweils ein Schwindungs- und Brennvorgang mehr steckt als in der Ausgangsfigur, ist sie etwa um 6 % kleiner. Ist sie doch aus der Form der ERSTEN entstanden. Sie soll nun Ausgangsfigur für eine neue Form werden. |
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Das Projekt: |
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Der Vorgang des Klonens wird nun wiederholt. Weitere Schwestern sollen entstehen: aus der letzten Figur der nächsten Generation wird jeweils die neue Form gemacht, die wiederum das Modell für eine weitere Form in sich trägt. Aus jeder Form werden so viele Figuren entstehen, wie es meinem und ihrem jeweiligen Entwicklungsstand entspricht, aber nie mehr als ich an Jahren gelebt habe. Jede Generation wird sich in Haltung, Gestik und Oberfläche unterscheiden. Nur die letzte Figur einer Serie ist jeweils wieder der Formherstellung vorbehalten und in Gestik und Haltung der Urmutter angepasst. Sie ist also die Ausgangsfigur, sozusagen Stammzellenreservoir für eine neue Form, die ich herstellen lasse, derweil ich von meinem Schöpfungsprozess ausruhen kann. Da immer wieder ein Schwindungs- und ein Brennvorgang zwischen der letzten
Figur und der neuen Form liegt, werden die Figuren kleiner und kleiner. ALLE ENTSTEHEN AUS DER EINEN. |
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Es geht darum, zu beobachten, wie sich eine Form mit ihren von mir vorgegebenen
drei wesentlichen Merkmalen der Hohlheit, der Rundheit und der Individualität
durch die ständige Minimierung verändert. Findet eine Ent- Individualisierung
statt? Verlieren sie nur an Größe, oder werfen sie Ballast
ab und erreichen ein Höchstmaß an Verdichtung und Konzentration? Welche Veränderungen werden sich bei mir bemerkbar machen? Ist es ein Abschiednehmen oder ein befriedigender Verdichtungsprozess, der es mir erlaubt, eine Form tatsächlich durchzuarbeiten, - Nach - Zu - Machen bis hin zu ihrer Auflösung durch die fortschreitende Reduktion? Welche Herausforderungen wird die Kleinheit mit sich bringen, wird das ständige Wiederholen zum immer Kleineren hin zu künstlerischen und inhaltlichen Ermüdungserscheinungen führen? Wird sich Seelenlosigkeit einstellen, weil ich nichts mehr einhauchen kann, weil die zunehmende Kompaktheit keine Hohlheit mehr zulässt? Und noch einmal Sloterdijk: Wenn man etwas ins Hohle hineinbläst,
entsteht eine Schwingung, aus dieser wiederum entstehen Sprache, Beseeltheit,
Intentionalität, Ko-Subjektivität.3 So zitiert Sloterdijk Gaston Bachelard mit einem Satz, der mir aus dem Herzen spricht: Die Welt ist rund um das runde Dasein und hält dies für ein erstaunliches Wort, weil es dem zeitgenössischen Denken so fremd ist. Es reklamiere eine essentielle Wohlgeratenheit für alles Runde...5 Ich werde an einen Punkt kommen, der mir die Gewissheit von dem Ende des Projekts signalisiert: Das Ende des Hohlen, das Ende des Individuellen, das Ende des Runden, DER ANFANG DES WESENTLICHEN. |
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AM ANFANG WAR LILITH. UND AM ENDE? |
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| 1 Peter Sloterdijk: Sphären Bd.1: Blasen S. 32 | ||
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2 Peter Sloterdijk, Hans-Jürgen Heinrichs: Die Sonne und der Tod, Frankfurt 2001. S.15 |
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3 Ebd.: S. 152 |
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4 Vgl.: Humberto Maturana: Was ist Erkennen. München 2001 |
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5 Vgl.: Sloterdijk: Die Sonne und der Tod S. 199 |
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