Von Birgitta Lamparth
AUSSTELLUNG Theresia Hebenstreit zeigt zu ihrem 60. Geburtstag die Ausstellung "Sechz-ich"
Eigentlich, sagt Theresia Hebenstreit, und schenkt nochmal nach,
eigentlich seien Teekannen ja schon per se "sprechende Gefäße". Was lag
da näher als daraus einen voluminösen Frauenkörper zu entwickeln? Die
Wiesbadener Künstlerin tat es - und schuf damit ihr Markenzeichen: Seit
1996 entstehen ihre lebenslustigen Dicken in einer unglaublichen
Vielfalt und machen nicht nur ihrer Schöpferin nach wie vor Spaß. Am
kommenden Mittwoch, 21. April, feiert sie ihren 60. Geburtstag.
Und dazu gibt es ab diesem Samstag in ihrem wunderschönen Atelier
in der Dotzheimer Ziegelhüttenstraße 2a die Ausstellung "Sechz-ich".
Die Zahl ist Programm: Aus ihren sicher gut 500 Stücken hat Theresia
Hebenstreit 60 ausgewählt, mit denen sie ihre Besucher auf eine kleine
Zeitreise schickt. Das reicht von der frühesten Arbeit, einer
Sonnenblumen-Tuschezeichnung, die als 16-Jährige entstand und an der
man schon ganz genau das Talent ablesen kann, bis hin zu einem ganz
neuen Werk: Dem Gemälde eines großen Frauenkopfs, der madonnenhafte
Züge trägt. Ihr Vater, der damalige Direktor der Landesbibliothek und
begeisterte Hobbykeramiker, hatte der in Wiesbaden geborenen Künstlerin
vor 30 Jahren mal ein Buch über Skulpturen des Mittelalters geschenkt -
sie inspirieren jetzt zu den neuen Arbeiten, die im kommenden Jahr im
Frauenmuseum gezeigt werden sollen. Eine Art weitere Madonnenarbeit -
eine Szene mit der Künstlerin und ihrer Tochter - wurde von beiden
gemeinsam Zug um Zug und unter Verzicht auf Erhalt des bisher
geschaffenen gestaltet. Ein Vorgang, den Theresia Hebenstreit oft mit
befreundeten Künstlern praktiziert: "Dadurch, dass man immer wieder neu
überarbeitet, wird man immer freier."
Den meisten freilich ist Theresia Hebenstreit eher als Keramikerin
ein Begriff. Schon früh, sicher auch durch das Vorbild ihres Vaters,
spezialisierte sie sich auf der FH Wiesbaden bei Margot Münster auf
diesen Bereich. 1983 richtete sie sich in der Scheffelstraße die erste
Werkstatt ein, 1999 dann in dem früheren Milchladen mit Stall in
Dotzheim.
Und hier bilden auch jetzt diese Werke den Schwerpunkt der
sehenswerten Schau. Und immer wieder Frauen: Waren sie anfangs noch
"bekleidet", ließen sie spätestens ab 1999 die Hüllen fallen. Und das
gleich zu hunderten: Mit ihrem der Terrakotta-Armee entgegengesetzten
Projekt "1001 nackt" ging Theresia Hebenstreit auf Reisen. Höchst
selbstbewusst präsentieren sich diese Nackten: Mit geradem Rücken, die
Arme verschränkt, in sicherem Stand. Es gibt eine neue, die wie eine
Art "Hänsin-guck-in-die-Luft", voranmarschiert - auch mal zweigeteilt
in die Wand hinein und daraus kommend "Ab durch die Mitte" heißt sie
treffend. Ein schönes Motto für die neue Lebensphase ihrer Schöpferin,
die von ihren Nackten gut ernährt wird: "Ich lasse meine Mädels für
mich arbeiten."
